Ein Schmied in Schick und Schale

Zum Markttag hat sich der Schmied fein gemacht!

Den Sack-und-Asche-Look, den viele schlechte Mittelalterfilme verbreiten, hat es aller Wahrscheinlichkeit so nicht gegeben, zumindest lassen das etliche Bilddarstellungen und Funde vermuten. Färberpflanzen wie z.B. Krapp (rot), Reseda (gelb) oder Waid (blau) sind anspruchslos und z.T. wild vorkommend. Kräftige Blautöne erreichte man mit Indigo (der Almosenbeutel im Bild), dass jedoch importiert wurde und daher preislich nicht für jeden infrage kam.

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(Das Tuch für Gugel und Cotte hat freundlicherweise Steffi Hölzen mit großem Sachverstand gefärbt, der Jagdhut aus Gotlandwolle wurde ebenfalls von Steffi handgefilzt und gefärbt.)

Warum sehe ich auf dem Bild so kunterbunt aus? Ganz einfach: Menschen wollen sich schmücken, dass hat sich seit der Steinzeit nicht geändert und war aller Wahrscheinlichkeit nach auch im Mittelalter so. Ich habe mich, da ich einen einfachen Handwerker darstelle, an dem Grundsatz: Viel hilft viel! orientiert.
Heinrich von Melk schreibt beispielsweise voller Moralinsäure, dass selbst die Tagelöhnerinnen und Bauersfrauen lange Schleppen an ihre Kleider nähen und ihre Gebende (Kopftuch) gelb färben. Gelb galt im übrigen als Farbe der erfüllten Liebe, die Kennzeichnung von Huren mit gelben Bändern war sowohl regional also auch zeitlich starkt beschränkt. Also kein Grund es nicht zu tragen!
Ein Schmied hatte wahrscheinlich recht wenig Ahnung von Farbharmonie und hat das hergenommen, was zu bekommen war. Das er dabei eher wie ein Papagei aussah, wird ihn nicht gestört haben.
Da Tuche einen echten Wert besaßen (Es gibt Rechnungen und Quittungen die belegen, dass Handwerker teilweise mit Tuchen bezahlt wurden), achtete man natürlich auf seine „Klamotte“. Wenn sie abgetragen, also „Fadenscheinig“ wurde, galt es als christlich, die Kleidung den Armen zu spenden.
Vieles landete aber auch ganz profan als Toilettenpapier in der Latrine.