Ein Besuch bei der Hansekogge im Schifffahrtsmuseum Bremerhaven

Nun bin ich zwar gebürtiger Cuxhavener und Hansebegeisterter, habe es aber in all den Jahren nicht geschafft, mir die Bremer Hansekogge anzuschauen. Die 1962 entdeckte Kogge ist im Deutschen Schifffahrtsmuseum Bremerhaven ausgestellt und meine Frau und ich haben einen unserer wenigen Urlaubstage genutzt, um die Kogge mal unter die Lupe zu nehmen. Ich muss aber erwähnen, dass das Schifffahrtsmuseum Bremerhaven auch ansonsten eine Reise wert ist. Wer sich für Maritime Kultur und Technik begeistert kann dort zum Beispiel einen Dampfbetriebenen Walfänger besichtigen oder eines der wenigen Betonschiffe (Ja, die gab es wirklich!). Zu futtern gibts z.B. auf der Seuten Deern. Zentrales Thema ist jedoch das Wrack der Hansekogge. Die Koggen waren eine Erfindung des Hochmittelalters und eines der Hauptstandbeine des Hansischen Wirtschaftserfolges. Ein gutes Verhältnis von Oberfläche zu Volumen, bei gleichzeitig guter Manövriebarkeit machte sie zu idealen Handelsschiffen. Es war seinerzeit auch üblich, das sich mehrere Kaufleute zusammenschlossen und jeder seine Waren auf mehrere Schiffe verteilte. So lag der Verlust bei Schiffbruch oder Überfall nicht bei 100% der Waren. Aber wie war das nun mit der Bremer Kogge und wie hat man die entdeckt?

Ein Jahrhundertfund!

Bei Baggerarbeiten zur Erweiterung eines Hafenbeckens der Bremer Weser, stieß man im Herbst 1962 auf Wrackteile eines Holzschiffes. Beim darauf folgenden Niedrigwasser wurde den hinzugezogenen Experten dann die volle Bedeutsamkeit des Fundes gegenwärtig. Ein echter Jahrhundertfund! Hansekoggen sind zwar auf unzähligen mittelalterlichen Abbildungen zu sehen, bisher hatte man aber (nach meiner Information) noch nie ein so gut erhaltenes, nahezu komplettes Wrack entdeckt. Das Wrack lag auf der Seite, halb im Schlick verborgen und war unmöglich als Ganzes herauszulösen. Also begannen Arbeiter den Fund sachgerecht Stück für Stück zu zerlegen und die Teile sorgsam zu bergen. Das gelang zunächst nur bei den über dem Schlick zugänglichen Teilen und erst im Jahr darauf konnte man unter Zuhilfenahme einer speziellen Tauchglocke die restlichen Teile bergen.

Wie lagern?

Das Problem bei durchnässten Funden ist leider, sobald diese trocknen, schrumpfen und zerfallen sie. Gerade Holz ist hier sehr sensibel, da das Zellinnere meist zersetzt ist und nur noch die Zellwand besteht. Man hat quasi einen mit Wasser gefüllten Ballon, der in sich zusammen fällt, sobald das Wasser verdunstet. Das bedeutete für die Restauratoren das Holz nass zu lagern und unter einem ständigen Wassersprühnebel wieder zusammen zu setzen. Erst nachdem der Fund komplett montiert war, konnte man mit der Konservierung beginnen: Ein Gemisch aus Wasser und Polyethylenglykol in einem 800000 Liter fassendem Becken Sollte das Holz vor allzu starken Formveränderungen bewahren. Die Flüssigkeit wurde in den kommenden 18 Jahren immer wieder ausgetauscht und so wurde das zuvor in den Holzzellen vorhandene Wasser langsam aber stetig gegen einen stabilisierenden Kunststoff ausgetauscht. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Von den ursprünglich 23,23m Länge, 7,78m Breite und 7,04m Höhe ist eine Menge sachkundig restauriert worden und somit der Nachwelt erhalten geblieben.

Aber wie alt ist der Kahn denn nun?

Die Datierung nur anhand des Schiffstyps ist nicht ganz einfach: Dieser Typus kam von der Mitte des 13. bis zum Ende des 14. Jahrhunderts zum Einsatz. Aber wie immer hilft da die Wissenschaft: Dendrochronologie nennt sich das Spezialgebiet, dass der Alterbestimmung von Hölzern gewidmet ist. Das Prinzip ist recht einfach: Bäume bilden je nach Art, Wettereinfluß und Standort charakteristische Jahresringabfolgen aus. Wenn ich ein Referenzholz habe, anhand dessen ich das Jahresringmuster mit meinem Fund vergleichen kann, bin ich fein raus! Klar, immer noch eine aufwändige Detektivarbeit, aber besser als raten. Es stellte sich also heraus, dass das Eichenholz nicht aus dem Bremer Umland, sondern vielmehr aus dem hessischen Raum stammte. Die Qualität des Holzes war auch nicht berauschend: Nicht wenige, von den mittelalterlichen Bootsbauern geflickte Risse wurden identifiziert. Eben keine norddeutsche Eiche :-) Das Datum der Fällung wurde ziemlich genau auf 1378 festgelegt, der Beginn des Bootsbaus kommt also mit ca. 1380 hin.

Kein Luxus an Bord

Das Leben auf so einem Schiff muss hart und entbehrungsreich gewesen sein. Einziger Luxus für höhergestellte Besatzungsmitglieder und mitreisende Kaufleute: Ein Plumpsklo. Ansonsten wird es recht viel Dauernahrung und wenig Ruhe gegeben haben. Die Dauer der Überfahrt war vom Geschick der Offiziere und zu einem großen Teil vom Wetter abhängig. Einziger Motor: Der Wind. Aber so schwierig die Bedingungen gewesen sein mögen, ich wäre gerne mal auf einer Englandfahrt dabei gewesen….hach, die See….